BEHANDLUNG MIT AKUPUNKTUR

Ganz oft spüre ich bei Behandlungsanfragen oder auch bei den Behandlungen selber wie wenig wir über Akupunktur und deren Wirkungsweise wissen. Oft eine gewisse Skepsis herrscht und dann ja auch noch diese schrecklichen Nadeln im Spiel sind.

 

Dabei ist Akupunktur eine ganz wundervolle Methode, um Pferde in ihrer Gesundheit zu unterstützen. Aber der Ansatz dieser Therapiemethode ist natürlich im ersten Moment total befremdlich. Basiert die chinesische Medizin doch auf komplett anderen Grundsätzen als westliche Schulmedizin.

 

Ich bin unglaublich froh, dass ich mich vor ein paar Jahren für eine Akupunkturausbildung entschieden habe, da diese für mich als Pferdetherapeutin so viele Möglichkeiten bietet, um Pferde ganzheitlich, gerade in Verbindung mit meinen Zusatzausbildungen, zu therapieren.

Denn Akupunktur kann nicht nur bei Symptomatiken des Bewegungsapparates helfen (und geht dabei super Hand in Hand mit Elementen der Osteopathie), sondern auch bei Indikationen wie Sommerekzem, EMS, emotionalen Dysbalancen, Magen-Darm-Problematiken, Husten usw. unterstützend und dabei auch ggf. begleitend zur westlichen Schulmedizin wirken.

Traditionelle chinesische Medizin in ein paar Sätzen zu erklären ist eigentlich nahezu unmöglich, da wir dazu unser Verständnis wie unser Körper "funktioniert" einmal komplett überdenken müssen bzw. der Ansatz ein total anderer ist. Das nachfolgende ist deshalb nur eine simple Basiserklärung. Für mehr Tiefenverständnis bräuchte es ein paar weitere Posts.

Ihr könnt euch vorstellen, dass durch den Körper eures Pferdes viele kleine Flüsse fließen, kleine Straßen durch die Energie - Lebensenergie - fließt. Diese versorgt, einfach gesprochen, den Körper mit allem, was er braucht. Diese Energie steckt in jeder Zelle, in jeder einzelnen Faser des Körpers.


Durch äußere Umstände wie erlebte Traumas (und die hat fast jedes Pferd), Verletzungen, Narben, falsche Haltung, Unfälle und/oder genetische Disposition kommt es zu einem Stau dieses Energieflusses. Vielleicht passiert erstmal nichts weiter bzw. wir als Mensch merken nicht sofort etwas, und so manifestieren sich über die Zeit Krankheiten, Verhaltensstörungen usw.

Was wir sehen oder bemerken, sind dann Symptome wie Hufrehe, blockierte Wirbel, Lahmheiten, Koliken, Mageschwüre oder ähnliches. In der westlichen Medizin behandelt man dann genau dieses eine Symptom. Mit meinem Wissen über chinesische Medizin gehe ich aber auf Ursachenforschung. In der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) wird nicht auf das Symptom behandelt, sondern die sich zeigende Krankheit in einem Gesamtkontext betrachtet.

Ich untersuche das Pferd entlang der Meridiane (das sind quasi Energiestraßen, die durch den Körper ihre Bahnen ziehen), ich taste spezielle Punkte ab, die wie einzelne Buchstaben für mich sind. Diese setzen sich zu Wörtern zusammen und sagen mir, wie ich das Pferd ganzheitlich stärken kann.

Ich fühle, ob sich Akupunkturpunkte "leer" oder "voll" anfühlen, ob da "Kälte" oder "Hitze" ist. Auch Geruch, das Aussehen der Zunge, die Augen, die Haut, aufgeraute Stellen usw. geben mir Auskunft und lassen ein Gesamtbild entstehen, dass durch Akupunktur wieder mehr Farbe, mehr Leuchten, mehr Kraft, mehr Lebendigkeit bekommt. Behandelte Pferde werden wieder wacher und lebendiger, bekommen mehr Ausdruck, finden wieder mehr zu sich, in ihre Mitte, da Energie wieder frei(er) fließen kann.

Wichtig ist mir immer, dass mit nur einer Behandlung keine Pferd geheilt werden. Ich kann kein Sommerekzem einfach so verschwinden lassen, keine Arthrose heilen usw.. Was diese Therapieform kann, ist die Selbstheilungskräfte des Pferdes anregen, ihm helfen sich zu regenerieren. Pferde zeigen meist schon in den Behandlungen unglaubliche Reaktionen direkt beim Setzen der Nadel oder sind am Ende der Behandlung tiefentspannt und ruhen komplett in sich.

Wie oft ein Pferd in Folge behandelt werden sollte, hängt dabei von der Tiefe und Chronizität der Syptomatiken ab und ich bespreche das ganz individuell. Oft sind 2 Behandlungen im Abstand von ca. 4 Wochen sinnvoll, meist können danach die Abstände größer werden. Aber auch das hat keine Allgemeingültigkeit, sonder ist ganz individuell verschieden von Pferd zu Pferd. Und genau das macht meinen Job so spannend. Ich weiß nie vorher, was mich "erwartet", wie das Pferd die Behandlung und mich annimmt. Aber ich bin jedem Pferd und jedem Besitzer aus tiefstem Herzen dankbar, dafür sich einzulassen und zu vertrauen auf Akupunktur als Therapieform. Darauf, dass diese kleinen Nadeln gar nicht schlimm sind, sondern ganz wunderbare heilsam.

Ihr habt noch Fragen zur Akupuktur? Dann schreibt mir gerne.... Ich freue mich, wenn ich da ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann, denn Akupunkur ist wirklich so unglaublich toll. Vielleicht habt ihr ja auch selber Erfahrungen damit bei euch gemacht oder schon bei eurem Pferd.

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